Wenn ich mich mit Kolleginnen und Kollegen in meinem Alter unterhalte, kommt früher oder später fast immer dieselbe Frage auf: Hat man mit Mitte 50 überhaupt noch eine echte Chance, eine neue Stelle in einer Redaktion oder im Content-Marketing zu bekommen?
Ich kann absolut nachvollziehen, warum diese Frage viele umtreibt. Wir erleben den permanenten Wandel der Medienlandschaft, lesen von Stellenabbau in Verlagen, hören die üblichen Geschichten über frustrierende Absagen und merken vielleicht im eigenen Umfeld, dass Bewerbungsprozesse zäher laufen als früher. Schnell entsteht der Eindruck: Ab einem gewissen Alter ist man in der digitalen Medienwelt schlicht auf dem Abstellgleis.
Ich glaube allerdings, dass diese Sichtweise zu kurz springt. Ja, das Alter kann ein Nachteil sein. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass viele erfahrene Text- und Medienprofis an etwas ganz anderem scheitern.
Wer sich derzeit mit KI-Suche, GEO oder LLMs beschäftigt, stößt früher oder später auf einen Begriff: Chunking.
Auf LinkedIn, in Blogartikeln und auf Konferenzen lese ich immer wieder Empfehlungen wie: „Schreibe chunkbar“, „Optimiere deine Chunks“ oder „Nur gute Chunks werden von KI-Systemen zitiert.“ Ich habe dabei allerdings oft den Eindruck, dass viele über völlig unterschiedliche Dinge sprechen. Denn technisch gesehen ist Chunking etwas ganz anderes als das, was in vielen Diskussionen darunter verstanden wird.
Für uns Redakteure ist das eine verdammt gute Nachricht. Denn wir müssen das Schreiben nicht neu lernen.
Als ich vor mehr als 20 Jahren mit SEO in Berührung kam, war die Welt der Suchmaschinenoptimierung deutlich überschaubarer als heute. Meine ersten Erfahrungen sammelte ich in einer Agentur. Später wechselte ich in den E-Commerce. Dort beschäftigte ich mich täglich mit Rankings, Keywords, Kategorieseiten, Produkttexten und Conversion-Optimierung.
SEO war damals vor allem ein langfristiges Spiel. Wir analysierten Suchbegriffe, entwickelten Strategien und warteten oft Wochen oder Monate darauf, dass sich Veränderungen in den Rankings bemerkbar machten. Natürlich gab es auch damals Wettbewerb und Zeitdruck. Doch verglichen mit dem Alltag eines Nachrichtenportals wirkte vieles beinahe entschleunigt.
Seit vier Jahren arbeite ich beim VDI Verlag. Dort habe ich eine ganz andere Seite der Suchmaschinenoptimierung kennengelernt. Publisher-SEO folgt eigenen Regeln. Manche Erkenntnisse aus dem klassischen SEO lassen sich übertragen. Andere funktionieren im News-Geschäft kaum noch.
Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Besonderheiten.
Publisher-SEO folgt anderen Regeln als klassisches SEO. Heute entscheiden Google Discover, News-Plattformen, Markenvertrauen und KI-Systeme zunehmend über die Reichweite von Inhalten.(mehr …)
In der Medienbranche diskutieren wir seit Monaten über die falsche Frage. Seit ChatGPT öffentlich verfügbar ist, dreht sich alles darum, ob KI Texte schreiben darf. Ob sie Überschriften formulieren kann. Ob sie Journalisten ersetzt. Fast jede Debatte starrt wie gebannt auf das fertige Endprodukt: den Artikel.
Dabei spielt sich die eigentliche Revolution längst an einer ganz anderen Stelle ab. Nicht beim Schreiben. Sondern bei der Recherche. Nach dem Chatbot kommt der Agent. Und der wird die Arbeit in den Redaktionen radikaler umkrempeln als alles, was wir in den vergangenen zwei Jahren erlebt haben.
Ich habe in Redaktionen oft erlebt, dass Kolleginnen und Kollegen lange an Überschriften feilen. Das eigentliche Problem liegt dabei meist nicht in der Formulierung, sondern eine Ebene tiefer. Wer die zentrale Botschaft eines Textes nicht erkannt hat, wird kaum eine wirklich gute Überschrift finden. Denn eine starke Headline fasst keinen Artikel zusammen, sie verdichtet seinen eigentlichen Nachrichtenwert.
Je länger ich als Redakteur arbeite, desto mehr überzeugt mich diese Beobachtung. Gute Überschriften sind für mich weniger eine Frage der Kreativität als des Verständnisses. Sie zeigen, ob jemand den Kern einer Geschichte erkannt hat. Manchmal entscheide ich mich sogar nur deshalb für ein Thema, weil ich die Schlagzeile dazu sofort im Kopf habe.
Wer sich aktuell mit GEO beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff „Grounding Page“. In vielen Diskussionen klingt es fast so, als wäre damit ein wichtiger Schlüssel für mehr Sichtbarkeit in ChatGPT, Gemini oder Google AI Overviews gefunden worden. Je häufiger ich den Begriff lese, desto skeptischer werde ich allerdings.
Nicht, weil die Idee dahinter schlecht wäre. Sondern weil ich mich frage, ob Grounding Pages tatsächlich ein relevantes Problem lösen – oder ob hier gerade eine technische Lösung für eine Herausforderung gesucht wird, die viele Publisher in dieser Form gar nicht haben.
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