Das Internet hat ein Textproblem. Genauer gesagt: ein Laberproblem. Überall stößt man auf Artikel, die klingen, als hätte jemand panische Angst davor, einfach mal zum Punkt zu kommen. Da werden Einleitungen gebaut wie Startbahnen für Langstreckenflüge, bevor endlich die eigentliche Information auftaucht. Falls sie überhaupt auftaucht.

Man klickt auf einen Beitrag mit der Überschrift „Warum Ihre Website langsam ist“ und darf sich erst einmal durch Sätze kämpfen wie: „In der heutigen digitalen Welt spielen schnelle Ladezeiten eine zunehmend wichtige Rolle.“ Ach wirklich. Danke für diese investigative Meisterleistung.

Viele Texte im Netz wirken inzwischen wie mündliche Prüfungen von Leuten, die keine Ahnung haben, aber Zeit schinden wollen. Hauptsache, der Text wird länger. Ob er besser wird, scheint inzwischen nebensächlich zu sein.

schluss mit Geschwafel

Inhaltsverzeichnis

Früher hieß das SEO-Text. Heute heißt es KI-Content.

Jahrelang wurde Online-Autoren eingeredet, dass Texte möglichst lang sein müssen. Das Keyword sollte möglichst oft vorkommen, Google angeblich endlose Inhalte lieben und unter 2000 Wörtern quasi gar nichts funktionieren. Also entstanden Texte, die denselben Gedanken in fünf Varianten wiederholten, bis auch der letzte Leser aufgegeben hatte.

Nicht weil das sinnvoll gewesen wäre, sondern weil irgendein Tool oder irgendein „SEO-Experte“ meinte, der Beitrag brauche noch mehr Inhalt. Das Ergebnis kennen wir alle: aufgepumpte Texte voller Wiederholungen, Einleitungen und belangloser Übergänge.

Dann kam KI dazu und hat dieses Problem nicht gelöst, sondern industrialisiert. Heute kann jeder innerhalb von Sekunden Texte erzeugen, die aussehen wie Artikel, klingen wie Artikel und trotzdem die inhaltliche Dichte einer warmen Reiswaffel haben.

Das Beeindruckende daran ist nicht die Technik, sondern wie viele Menschen diesen Leerlauf inzwischen für Qualität halten.

Viele Texte sagen denselben Satz fünfmal

Man erkennt solche Texte inzwischen sofort. Sie klingen glatt, sauber und komplett austauschbar. Überall tauchen dieselben Formulierungen auf: „Zusammenfassend lässt sich sagen.“ „Nicht unerwähnt bleiben sollte außerdem.“ „In der heutigen Zeit.“ Das sind keine Sätze mehr. Das ist sprachliches Verpackungsmaterial.

Besonders schlimm wird es, wenn Autoren offensichtlich versuchen, einen Gedanken künstlich aufzublasen. Dann wird erklärt, zusammengefasst, eingeordnet und anschließend noch einmal „abschließend bewertet“. Nach 1500 Wörtern stellt man fest, dass eigentlich nur eine einzige Aussage transportiert wurde.

Viele Texte wirken heute wie PowerPoint-Präsentationen in Satzform: viel Fläche, wenig Inhalt.

Warum klare Texte stärker wirken

Das Problem ist nicht nur die Länge. Das Problem ist die fehlende Präzision. Viele Autoren schreiben unnötig kompliziert, weil sie professionell wirken wollen. Tatsächlich passiert meistens das Gegenteil. Wer klar formuliert, wirkt souverän. Wer ständig um Aussagen herumläuft, wirkt unsicher.

Man sieht das oft an völlig überladenen Sätzen. Etwa: „Es ist wichtig zu beachten, dass Unternehmen heutzutage verstärkt auf digitale Sichtbarkeit achten sollten.“ Oder man schreibt einfach: „Unternehmen brauchen Sichtbarkeit im Netz.“

Fertig.

Der zweite Satz klingt klarer, direkter und intelligenter. Der erste klingt wie ein Referat kurz vor Abgabeschluss.

Leser merken sofort, wenn ein Text künstlich gestreckt wurde

Menschen lesen heute nicht mehr wie vor zwanzig Jahren. Sie scannen Inhalte. Sie springen von Aussage zu Aussage. Sobald sie merken, dass ein Text ihre Zeit verschwendet, sind sie weg.

Trotzdem schreiben viele noch immer so, als würden Leser jeden Absatz aufmerksam studieren wie einen Goethe-Roman. Tun sie nicht.

Wenn ein Absatz nichts Neues liefert, fliegt der Leser raus. Wenn drei Sätze hintereinander denselben Gedanken transportieren, verliert der Text Tempo. Und wenn eine Einleitung länger ist als der eigentliche Inhalt, wird es irgendwann einfach unfreiwillig komisch.

Kürzen ist anstrengend – deshalb tun es viele nicht

Dabei wäre die Lösung oft brutal einfach: kürzen. Viele Texte würden sofort besser werden, wenn man konsequent alles entfernt, was keine neue Information liefert. Ganze Einleitungen könnten verschwinden, ohne dass der Inhalt leidet. Im Gegenteil. Meistens gewinnt der Text dadurch überhaupt erst Tempo.

Das eigentliche Problem ist nur: Kürzen ist anstrengend. Einen langen Text kann heute fast jeder produzieren. Dafür reicht ein Prompt und eine Tastatur. Aber einen Text wirklich zu verdichten, unnötige Wiederholungen zu erkennen und jeden Satz auf seinen Nutzen abzuklopfen, das ist Arbeit.

Genau deshalb tun es viele nicht.

Und so entsteht jeden Tag neuer Content-Müll. Texte, die aussehen wie Informationen, aber eigentlich nur Beschäftigungstherapie sind. Voll mit Füllwörtern, Dopplungen und Absätzen, die sich lesen wie ein Kreisverkehr ohne Ausfahrt.

Gute Texte respektieren die Zeit der Leser

Am Ende läuft alles auf eine einfache Frage hinaus: Würde man diesen Text freiwillig komplett lesen?

Wenn die ehrliche Antwort „eher nicht“ lautet, liegt das Problem meistens nicht beim Leser. Dann wurde einfach zu viel geredet und zu wenig gesagt.

Gute Texte brauchen keine Wortwolken. Sie brauchen Klarheit. Wer etwas zu sagen hat, sollte es sagen. Direkt. Verständlich. Ohne sprachliches Dämmmaterial.

Oder anders gesagt: Weniger Geschwafel. Mehr Inhalt.