Vor Kurzem hatte ich auf LinkedIn eine Diskussion über eine Frage, die erstaunlich viele Menschen beschäftigt: Sollte man seine eigenen Beiträge liken?

Meine Antwort lautet: nein.

Nicht, weil ich das für ein Verbrechen halte. Nicht, weil ich andere dafür kritisieren möchte. Sondern weil ich bis heute kein wirklich überzeugendes Argument dafür gehört habe.

Der häufigste Einwand lautet, man solle den eigenen Beitrag liken, um zu zeigen, dass man hinter dessen Inhalt steht. Genau an dieser Stelle steige ich gedanklich aus. Wer einen Beitrag schreibt, ihn überarbeitet und anschließend veröffentlicht, hat doch bereits gezeigt, dass er dahintersteht. Warum sonst sollte er ihn veröffentlichen?

Für mich ist die Veröffentlichung bereits das Bekenntnis. Das Like wiederholt lediglich etwas, das ohnehin offensichtlich ist. Ich schreibe mir schließlich auch keine Leserbriefe, in denen ich meine eigenen Artikel lobe. Der Akt des Veröffentlichens sagt bereits alles aus, was es zu sagen gibt.

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Warum der Koch-Vergleich nicht funktioniert

In der Diskussion brachte ein Nutzer einen Vergleich ins Spiel, den ich interessant fand. Ein Koch würde sein Essen schließlich auch probieren, bevor er es den Gästen serviert. Deshalb könne man auch seinen eigenen Beitrag liken.

Auf den ersten Blick klingt das schlüssig. Je länger ich darüber nachdachte, desto weniger überzeugte mich der Vergleich jedoch.

Ein Koch probiert sein Essen nicht, um sich selbst zu bestätigen. Er probiert es, um Fehler zu finden. Vielleicht fehlt Salz, vielleicht stimmt die Garzeit nicht oder die Konsistenz passt noch nicht. Das Probieren dient der Qualitätskontrolle.

Ein LinkedIn-Like erfüllt diese Funktion jedoch nicht. Wer seinen eigenen Beitrag liked, überprüft keine Qualität und korrigiert keine Fehler. Er vergibt lediglich öffentlich Zustimmung für die eigene Arbeit.

Wenn man schon bei der Gastronomie bleiben möchte, erscheint mir deshalb ein anderer Vergleich deutlich treffender. Ein Selbst-Like wirkt auf mich eher wie ein Restaurantbesitzer, der seinem eigenen Lokal fünf Sterne verleiht oder die erste begeisterte Rezension gleich selbst schreibt.

Natürlich darf er von seinem Angebot überzeugt sein. Das wäre sogar wünschenswert. Die eigentliche Aussagekraft entsteht aber erst dann, wenn die positive Bewertung von anderen kommt.

Der Wert eines Likes entsteht durch andere

Genau darin liegt für mich der Kern der Sache. Likes sind soziale Signale. Ihr Wert entsteht dadurch, dass sie von anderen Menschen vergeben werden.

Das bedeutet nicht, dass Selbst-Likes verboten oder verwerflich wären. Sie wirken auf mich lediglich widersprüchlich. Zustimmung von außen besitzt eine andere Qualität als Zustimmung aus der eigenen Feder. Deshalb vertraut man Kundenbewertungen mehr als Werbeprospekten. Deshalb interessieren uns Rezensionen anderer Leser mehr als das Eigenlob eines Autors.

Natürlich kann man das entspannter sehen. Ein Like ist kein Ethikverstoß und auch kein Zeichen mangelnder Professionalität. Manche nutzen es vermutlich einfach aus Gewohnheit oder weil sie sich davon einen kleinen Reichweitenvorteil versprechen. Nur überzeugt mich dieses Argument nicht.

Wem nützt das eigentlich?

Bleibt die Frage nach dem praktischen Nutzen. Manche argumentieren, ein zusätzliches Like könne dem Algorithmus helfen und die Reichweite erhöhen. Das mag sogar stimmen. Falls es einen Effekt gibt, dürfte er allerdings überschaubar sein.

Für mich steht dieser mögliche Gewinn in keinem sinnvollen Verhältnis zur Außenwirkung. Denn am Ende frage ich mich immer: Wem soll dieses Like eigentlich etwas sagen?

Mir selbst sicher nicht. Ich kenne meine Meinung bereits.

Anderen Nutzerinnen und Nutzern eigentlich auch nicht. Die wissen längst, dass ich hinter dem Beitrag stehe. Schließlich habe ich ihn veröffentlicht.

Deshalb verzichte ich auf das Selbst-Like. Nicht aus moralischen Gründen und auch nicht aus Prinzip. Ich halte es schlicht für überflüssig.

Wer auf „Veröffentlichen“ klickt, hat seine Zustimmung bereits abgegeben. Alles danach wirkt auf mich wie digitaler Eigenapplaus.