Wer sich aktuell mit GEO beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff „Grounding Page“. In vielen Diskussionen klingt es fast so, als wäre damit ein wichtiger Schlüssel für mehr Sichtbarkeit in ChatGPT, Gemini oder Google AI Overviews gefunden worden. Je häufiger ich den Begriff lese, desto skeptischer werde ich allerdings.

Nicht, weil die Idee dahinter schlecht wäre. Sondern weil ich mich frage, ob Grounding Pages tatsächlich ein relevantes Problem lösen – oder ob hier gerade eine technische Lösung für eine Herausforderung gesucht wird, die viele Publisher in dieser Form gar nicht haben.

 

Grounding Pages

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Grounding Page überhaupt?

Die offizielle Definition klingt zunächst unspektakulär. Eine Grounding Page ist eine speziell erstellte Webseite, die eine Entität – also beispielsweise ein Unternehmen, eine Marke, eine Person oder ein Produkt – faktenbasiert und eindeutig beschreibt. Ziel ist es, Suchmaschinen und KI-Systemen eine verlässliche Referenzquelle bereitzustellen. Im Gegensatz zu klassischen Marketingseiten soll sie nicht verkaufen, sondern informieren.

Typische Inhalte sind:

  • offizieller Name
  • Gründungsjahr
  • Verantwortliche Personen
  • Standorte
  • Tätigkeitsbereiche
  • neutrale Beschreibung der Organisation
  • strukturierte Daten für Suchmaschinen

Im Grunde handelt es sich also um eine Art digitaler Steckbrief.

Die Idee dahinter: KI-Systeme sollen eindeutig verstehen können, wer oder was hinter einer Marke oder Organisation steht. Dadurch sollen Verwechslungen, falsche Zuordnungen und sogenannte Halluzinationen reduziert werden. Bis hierhin klingt das völlig vernünftig.

Der Nutzen ist nachvollziehbar

Tatsächlich sehe ich durchaus sinnvolle Anwendungsfälle. Wenn eine Marke häufig mit anderen Unternehmen verwechselt wird oder ein Personenname mehrfach vorkommt, kann eine Grounding Page helfen, diese Unklarheiten aufzulösen.

Auch für Suchmaschinen ergibt eine solche Referenzseite Sinn. Wer seine Organisation sauber dokumentiert, erleichtert es Google und anderen Systemen, Zusammenhänge zu erkennen und Informationen korrekt einzuordnen. Dagegen lässt sich wenig sagen. Die Frage ist nur: Wie groß ist dieser Nutzen tatsächlich?

Das eigentliche Problem vieler Publisher sieht anders aus

Die aktuelle Diskussion wirkt auf mich teilweise so, als würden Grounding Pages die Antwort auf die Herausforderungen des KI-Zeitalters sein. Genau das bezweifle ich. Denn die meisten Publisher leiden derzeit nicht darunter, dass ChatGPT ihre Marke nicht versteht.

Sie leiden darunter, dass Nutzerinnen und Nutzer immer seltener auf Suchergebnisse klicken. Das sind zwei völlig unterschiedliche Probleme. Selbst wenn eine KI exakt weiß, wer hinter einer Website steht, bedeutet das noch lange nicht, dass daraus zusätzliche Besucher entstehen.

Genau an diesem Punkt wird die Debatte oft erstaunlich vage. Es wird viel darüber gesprochen, wie man die Sichtbarkeit in KI-Systemen verbessern kann. Es wird deutlich weniger darüber gesprochen, ob daraus überhaupt messbarer Traffic entsteht.

GEO braucht dringend mehr Daten

Was mich besonders skeptisch macht: Die Zahl der Behauptungen rund um GEO wächst derzeit deutlich schneller als die Zahl belastbarer Studien. Viele Agenturen präsentieren Grounding Pages bereits als wichtigen Bestandteil moderner KI-Optimierung.

Belege dafür, wie stark sich solche Seiten tatsächlich auf die Sichtbarkeit in KI-Systemen auswirken, bleiben dagegen oft dünn. Das erinnert mich an frühere SEO-Phasen.

Damals wurden regelmäßig neue Konzepte als unverzichtbar dargestellt. Einige davon funktionierten tatsächlich. Andere verschwanden nach wenigen Jahren wieder aus den Präsentationen. Deshalb fällt es mir schwer, jede neue GEO-Empfehlung sofort als strategischen Durchbruch zu betrachten.

Was Grounding Pages nicht leisten können

Ein Missverständnis fällt in vielen Diskussionen immer wieder auf. Grounding Pages werden teilweise so dargestellt, als könnten sie Autorität schaffen. Das können sie nicht. Sie können vorhandene Autorität dokumentieren. Das ist etwas völlig anderes.

Eine Website wird nicht vertrauenswürdiger, weil sie eine Seite mit ihren Unternehmensdaten veröffentlicht. Eine Redaktion wird nicht kompetenter, weil sie ihre Expertise auf einer Referenzseite beschreibt. Eine Marke wird nicht relevanter, weil sie sich selbst erklärt.

Die eigentliche Autorität entsteht weiterhin durch gute Inhalte, starke Marken, eigene Recherchen, Fachwissen und Reputation. Grounding Pages können diese Signale sichtbar machen. Sie können sie aber nicht ersetzen.

Vielleicht überschätzen wir die Bedeutung von Entitäten

Ein weiterer Gedanke beschäftigt mich. Die GEO-Debatte konzentriert sich derzeit stark auf Entitäten, Wissensgraphen und maschinenlesbare Informationen. Das ist technisch nachvollziehbar.

Die meisten Nutzerinnen und Nutzer interessieren sich allerdings nicht für Wissensgraphen. Sie interessieren sich für Antworten. Sie möchten Probleme lösen, Informationen finden oder Entscheidungen treffen.

Ob eine Marke perfekt in einem Knowledge Graph verankert ist, spielt aus Nutzersicht kaum eine Rolle. Deshalb frage ich mich manchmal, ob wir bei GEO nicht Gefahr laufen, die Perspektive der Maschinen wichtiger zu nehmen als die Perspektive der Menschen.

Mein Fazit

Grounding Pages sind kein Unsinn. Wer seine Marke, sein Unternehmen oder seine Organisation sauber dokumentieren möchte, kann davon profitieren. Suchmaschinen und KI-Systeme erhalten dadurch eine verlässliche Referenzquelle. Das ist sinnvoll.

Die aktuelle Diskussion wirkt auf mich jedoch häufig überzogen. Grounding Pages lösen nicht das zentrale Problem vieler Publisher. Sie sorgen nicht automatisch für mehr Besucher. Sie schaffen keine Autorität und keine Marke. Sie dokumentieren lediglich das, was bereits vorhanden ist.

Vielleicht werden sie langfristig ein fester Bestandteil moderner Websites. Vielleicht entwickeln sie sich zu einem wichtigen Baustein für KI-Sichtbarkeit. Im Moment sehe ich sie jedoch eher als sinnvolle Ergänzung denn als strategischen Gamechanger.

Die entscheidende Frage bleibt für mich weiterhin offen: Selbst wenn eine KI meine Marke perfekt versteht – was habe ich am Ende davon?