Mit dem Begriff „SEO-Texter“ konnte ich noch nie viel anfangen. Und das, obwohl ich selbst viele Jahre genau in diesem Bereich gearbeitet habe.

Ich kenne die alten Briefings noch ziemlich gut. Da ging es um Keyworddichte, Mindestwortzahlen und die Frage, wie oft ein bestimmter Begriff in Zwischenüberschriften auftauchen sollte. Teilweise bekam man Listen mit Pflichtkeywords, die möglichst „natürlich“ im Text untergebracht werden mussten. Das Wort „natürlich“ war dabei oft das Lustigste am ganzen Briefing.

Damals gehörte das einfach dazu. Und ehrlich gesagt: Natürlich habe ich solche Texte teilweise selbst geschrieben. Fast jeder, der länger im Onlinebereich gearbeitet hat, dürfte damit irgendwann Berührung gehabt haben.

Trotzdem fand ich die Bezeichnung „SEO-Texter“ schon damals seltsam. Weil sie so klingt, als würde man nicht mehr für Menschen schreiben, sondern für irgendeinen Algorithmus. Und genau das ist meiner Meinung nach das Kernproblem vieler klassischer SEO-Texte.

Inhaltsverzeichnis

Irgendwann klangen plötzlich alle Texte gleich

Vor zehn oder fünfzehn Jahren funktionierte vieles davon noch erstaunlich gut. Google war deutlich einfacher gestrickt als heute. Wer ein Keyword oft genug verwendete, sauber strukturierte und ausreichend Text produzierte, konnte damit gute Rankings erzielen.

Also entstand eine komplette Industrie rund um genau dieses Prinzip.

Plötzlich bestanden Texte aus:

  • Hauptkeyword,
  • Nebenkeywords,
  • Suchvolumen,
  • WDF*IDF,
  • Konkurrenzanalysen
  • und möglichst vielen H2-Überschriften.

Das Problem war nur: Viele Inhalte wurden dadurch nicht besser. Sie wurden austauschbar.

Ich habe damals Texte gesehen, die 2000 Wörter lang waren und trotzdem kaum eine echte Aussage hatten. Hauptsache, das Keyword tauchte oft genug auf. Teilweise las sich das wie ein Text, der vor allem zeigen wollte, dass er existiert.

Und irgendwann konnte man schon nach wenigen Absätzen erkennen, wie ein Artikel weitergeht. Erst kam eine generische Einleitung. Dann eine Definition. Danach Zwischenüberschriften mit Suchbegriffen. Und ganz unten oft noch ein FAQ-Bereich mit Fragen, die im echten Leben niemand so stellt.

Fachlich falsch waren viele dieser Texte nicht einmal. Aber sie wirkten leer.

Warum klassische SEO-Texte langweilen

Viele SEO-Texte wurden nie geschrieben, weil jemand wirklich etwas sagen wollte

Das ist für mich bis heute der entscheidende Punkt. Ein großer Teil klassischer SEO-Texte entstand nicht aus echtem Interesse am Thema. Die Texte entstanden, weil ein Keyword Suchvolumen hatte. Das merkt man beim Lesen ziemlich schnell.

Viele dieser Inhalte wirken, als hätten sie vor allem eine Aufgabe: möglichst viel Fläche zwischen zwei Werbebannern zu füllen.

Dann liest man:

  • lange Einleitungen ohne echte Aussage,
  • Wiederholungen,
  • austauschbare Formulierungen,
  • künstlich aufgeblähte Absätze,
  • generische Tipps,
  • möglichst wenig klare Haltung.

Vor allem fehlt oft etwas, das gute Texte eigentlich ausmacht: eine erkennbare Perspektive. Man spürt nicht, dass dort jemand schreibt, der sich wirklich mit dem Thema beschäftigt hat. Stattdessen klingt vieles, als wäre es aus SEO-Tools, Konkurrenztexten und Suchanfragen zusammengesetzt worden.

Rückblickend war das eigentlich schon die perfekte Vorbereitung auf KI-Content — lange bevor KI überhaupt zum Alltag wurde.

Das Internet klingt inzwischen erschreckend ähnlich

Heute fällt mir das stärker auf denn je. Man öffnet irgendeinen Artikel und weiß nach kurzer Zeit ziemlich genau, was noch kommt. Viele Texte haben inzwischen denselben Rhythmus. Dieselbe Sprache. Dieselben Überschriften.

Oft wirkt das alles extrem glatt. Fast steril. Und das Verrückte ist: Viele dieser Texte sind nicht einmal schlecht geschrieben. Sie hinterlassen nur nichts. Man liest sie — und vergisst sie sofort wieder.

Vielleicht liegt das daran, dass viele Inhalte heute vor allem darauf optimiert werden, niemanden zu irritieren. Keine klare Meinung. Keine Reibung. Keine Beobachtung, die wirklich hängen bleibt.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass im Netz zwar permanent Content produziert wird, aber immer seltener echte Gedanken.

KI macht die Schwäche vieler SEO-Texte brutal sichtbar

Spätestens seit dem KI-Boom wird das Problem offensichtlich. Denn wenn ein Text hauptsächlich aus Standardwissen, typischen Formulierungen und sauber sortierten Keywords besteht, kann KI genau solche Inhalte inzwischen problemlos erzeugen. Schnell, billig und in riesigen Mengen.

Das verändert gerade die komplette Content-Welt. Viele Websites haben jahrelang darauf gesetzt, möglichst effizient möglichst viel Content zu veröffentlichen. Genau dieses Modell gerät jetzt unter Druck.

Warum sollte jemand noch durchschnittliche SEO-Texte einkaufen, wenn Maschinen ähnliche Inhalte innerhalb weniger Sekunden liefern können? Das heißt nicht, dass KI automatisch gute Texte schreibt. Ganz im Gegenteil. Aber sie zeigt gnadenlos, wie austauschbar viele Inhalte vorher schon waren.

Selbst Google versucht inzwischen, von dieser Entwicklung wegzukommen

Ironischerweise hat Google das alte SEO-Denken jahrelang indirekt mitgefördert. Heute versucht die Suchmaschine deutlich stärker zu erkennen, ob Inhalte tatsächlich hilfreich, glaubwürdig und originell wirken.

Zumindest ist das die Richtung.

Deshalb spielen inzwischen andere Faktoren eine größere Rolle:

  • Erfahrung,
  • Expertise,
  • Vertrauen,
  • Marken,
  • Nutzerverhalten,
  • Originalität.

Natürlich funktioniert das nicht perfekt. Noch immer ranken genug mittelmäßige Texte erstaunlich gut. Gerade bei einfachen Suchanfragen oder Longtail-Themen funktioniert klassische SEO teilweise weiterhin.

Aber insgesamt hat sich die Richtung verändert.

Reine Keyword-Texte funktionieren deutlich schlechter als früher. Vor allem langfristig.

Und ehrlich gesagt: Das war längst überfällig.

Über Jahre sind riesige Mengen an Texten entstanden, die vor allem für Rankings geschrieben wurden. Das merkt man dem Internet bis heute an.

Warum ich die Bezeichnung „SEO-Texter“ immer gehasst habe

Weil sie Schreiben auf einen technischen Nebenaspekt reduziert.

Ein guter Text entsteht nicht durch Keyworddichte oder SEO-Plugins. Gute Texte entstehen, wenn Menschen:

  • beobachten,
  • recherchieren,
  • Dinge einordnen,
  • Erfahrungen machen,
  • präzise formulieren,
  • eigene Gedanken entwickeln.

Natürlich sollte ein Text technisch sauber aufgebaut sein. Natürlich sollte man Suchintentionen verstehen. Das alles bleibt wichtig.

Aber SEO sollte Infrastruktur sein — nicht der eigentliche Schreibstil.

Ich finde, man merkt relativ schnell, ob ein Text für Menschen geschrieben wurde oder ob jemand einfach nur möglichst effizient Rankings erzeugen wollte.

Viele Unternehmen verwechseln Sichtbarkeit mit Qualität

Das sehe ich bis heute ständig. Sobald ein Artikel Besucher bringt, gilt er als erfolgreich. Ob Menschen den Text tatsächlich gerne lesen oder ihm vertrauen, spielt oft eine erstaunlich kleine Rolle.

Dabei sind genau das die entscheidenden Fragen. Denn Reichweite allein ist noch kein Qualitätsmerkmal. Ein Text kann tausende Klicks erzeugen und trotzdem komplett austauschbar wirken.

Vielleicht ist genau das eines der größten Probleme vieler moderner Content-Strategien:
Es wird unglaublich viel veröffentlicht — aber oft erstaunlich wenig gesagt.

Vielleicht müssen wir einfach wieder lernen, echte Texte zu schreiben

Ich glaube nicht, dass SEO verschwindet. Dafür bleibt Sichtbarkeit viel zu wichtig.

Aber ich glaube, dass viele endlich aufhören müssen, Texte wie technische SEO-Projekte zu behandeln.

Denn Leser merken ziemlich schnell, ob jemand wirklich etwas zu sagen hat — oder ob einfach nur ein Keyword möglichst effizient in 1500 Wörter verwandelt wurde.

Und vielleicht liegt genau darin das eigentliche Problem vieler klassischer SEO-Texte:
Sie wollten sichtbar sein. Aber nie wirklich lesenswert.